Romantasy ist kein Guilty Pleasure

Romantasy ist kein Guilty Pleasure

Der Begriff „Guilty Pleasure“ klingt harmlos. Schon irgendwie ganz charmant, oder?
Doch er trägt eine kulturelle Abwertung in sich, die wir genauer betrachten sollten. 
Er suggeriert: Du darfst es mögen – aber nimm es bitte nicht zu ernst.

Emotionen gelten als Schwäche. Und Distanz gilt als Zeichen von Qualität.

In der Literatur wurde lange zwischen „hoher“ und „unterhaltender“ Literatur unterschieden. Als anspruchsvoll galten Werke, die Distanz erzeugten. Emotionale Nähe hingegen wurde häufig als sentimental oder gar trivial eingeordnet. Insbesondere dann, wenn sie sich stark auf Beziehungen fokussierten.

Diese Haltung ist kein Zufall, sondern die Folge von gesellschaftlicher Prägung. Was kulturell als „weiblich“ konnotiert wurde – etwa Romantik, Beziehung oder gar Intimität – galt über Jahrhunderte hinweg als weniger bedeutsam als das „männlich“ Konnotierte wie Macht, Krieg oder politische Führung. Das betraf nicht nur die Literatur, sondern auch diverse kunstgeprägte Bereiche.

Gefühle wurden nicht ernst genommen. 

Gegenwärtig verändert sich diese Perspektive jedoch. Diskurse über mentale Gesundheit und emotionale Selbstreflexion gewinnen an Relevanz. Gleichzeitig entstehen neue Lesekulturen – vorwiegend über soziale Medien – in denen Identifikation mit literarischen Figuren offen geteilt wird.
Leser*innen sprechen heute selbstverständlich darüber, wie Geschichten und deren Charaktere sie emotional bewegen. Und diese Offenheit verschiebt auch literarische Maßstäbe, mit denen wir Werke bewerten. 

Emotionale Komplexität wird zunehmend als erzählerische Stärke verstanden und nicht als Schwäche.

Romantasy steht genau an dieser Schnittstelle. Sie verbindet Weltenbau mit Beziehungsentwicklung und Machtstrukturen mit Verletzlichkeit.

Fantasy verlangt in sich konsistente (Magie‑)Systeme, eine inhärente Logik und kulturelle Ordnung.
Eine überzeugende Liebesgeschichte verlangt psychologische Plausibilität und emotionale Entwicklung.

Romantasy vereint beide Anforderungen.

Das Genre Romantasy gehört zu den dynamischsten Segmenten des aktuellen Buchmarktes. Es bewegt Millionen Leser*innen, wird generationenübergreifend gelesen und hat eine aktive Community. Damit ist es keine Randerscheinung mehr, sondern Teil des literarischen Diskurses.

Romantasy ist kein Guilty Pleasure.
Es ist Literatur, mit Emotion als erzählerischem Fundament, verknüpft mit fantastischen Welten.
Und genau deshalb verdient das Genre eine Bühne – nicht als Trend, sondern als ernst zu nehmende literarische Ausdrucksform.

Dafür steht der Rabbit - der Award für deutschsprachige Romantasy

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